Verse und Reime


Heinrich Heine:

Die blauen Frühlingsaugen
Schaun aus dem Gras hervor;
Das sind die lieben Veilchen,
Die ich zum Strauß erkor.
Ich pflücke sie und denke,
Und die Gedanken all,
Die mir im Herzen seufzen,
Singt laut die Nachtigall.

Ja, was ich denke, singt sieelfetanzt
Lautschmetternd, daß es schallt;
Mein zärtliches Geheimnis
Weiß schon der ganze Wald.

 

 

 

 

 

 

 

Weihnachten

Markt und Straßen stehn verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh ich durch die Gassen,
Alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen
Buntes Spielzeug fromm geschmückt
Tausend Kindlein stehn und schauen,

Sind so wunderstill beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus ins freie Feld,
Hehres Glänzen, heilges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen,
Aus des Schnees Einsamkeit
Steigts wie wunderbares Singen -
O du gnadenreiche Zeit!

Joseph von Eichendorff (1788 – 1857)

Was sagt’ der Herbst der Ros’ ins Ohr,
daß sie die Munterkeit verlor?
Er mahnt’ sie an die Nichtigkeit
der Treue, die der Lenz ihr schwor.
Sie reißt entzwei den Schleier, den
sie nahm, als er zur Braut sie kor;
Und wie sie bleich vom Throne sinkt,
erseufzt der Nachtigallen Chor.
Wer brach entzwei das Lilienschwert?
So blank geschliffen war’s zuvor.
Die Tulp’ entfloh so eilig, daß
den Turban sie am Weg verlor.
Beschämt senkt der Jasmin sein Haupt,
weil ihm der Ost die Locken schor.
Es streut der Wind mit voller Hand
von Bäumen Blättergold empor.
Das dürre Laub schwirrt durch die Luft
wie Fledermäus’ aus Gräbertor.
Das Totenlied der Schöpfung spielt
der Herbstwind auf geknicktem Rohr.
Die finstre Tanne trägt den Schnee
wie weißen Bund ums Haupt ein Mohr.
Der Berg nahm weißen Hermelin,
weil ihm die nackte Schulter fror.
O sieh des Jahrs Verwüstung an
und hole frischen Wein hervor!
Die Sonne sandt’ uns, eh sie wich,
den jungen Most ins Haus zuvor,
Daß er uns leucht’ an ihrer Statt,
wann ihre Kraft dämpft Wolkenflor.
Sieh, wie des Wintergreises Grimm
des Frühlingskindes Hauch beschwor.
Er weckt in Bechertönen ein’
verzaubert’ Nachtigallenchor,
Und trunkne Blicke sich ergehn
auf schöner Wangen Rosenflor.
Du trink, und seufz’ im Winter nicht;
denn auch im Frühling seufzt ein Tor.

Friedrich Rückert

Einmalig schön schimmert der Wald
Sonnenschein lässt Blätter in allen Farben leuchten
Selbst das Wasser in Teichen und Seen reflektiert bunt
Weggeblasen sind alle trüben Gedanken
Das Leben ist schön, so schön wie dieser herrliche sonnige Oktobertag

Ich sauge die Sonnenstrahlen in mich hinein, tanke auf und speichere sie für die kommenden Tage
Ach würden nach diesen schönen sonnigen Stunden nicht trübe Novemberstunden folgen
Doch daran verschwenden wir jetzt noch keine Gedanken
Wir leben jetzt und heute und das Heute ist schön……

 

Sah ein Knab ein Röslein stehn,
Röslein auf der Heiden;
War so jung und morgenschön,
Lief er schnell, es nah zu sehn,
Sah’s mit vielen Freuden,
Röslein, Röslein Röslein rot.
Röslein auf der Heide.

Knabe sprach: „ich breche dich,
Röslein auf der Heiden“;
Röslein sprach „ich steche dich,
Dass du ewig denkst an mich,
Und ich wills nicht leiden“
Röslein, Röslein Röslein rot.
Röslein auf der Heide.

Und der wilde Knabe brach
s’Röslein auf der Heiden.
Röslein wehrte sich und stach,
Half ihm doch kein Weh und Ach,
Musst’ es eben leiden.
Röslein, Röslein Röslein rot.
Röslein auf der Heide.

Johann Wolfgang von Goethe

Im Moment ist es ein bisschen wie Urlaub, das schöne Wetter lässt uns den Garten genießen und das Wohnzimmer nach draußen verlegen.

und dahin zieht es mich jetzt auch, allerdings ist erstmal ein bisschen Gartenarbeit angesagt.

„Ihr wilden Gänse habt es gut,
ihr ziehet frei und wohlgemut
von einem Strand zum andern Strand
durchs ganze liebe deutsche Land.

Uns zahmen Menschen geht’s nicht so,
wir reisten gern auch frei und froh,
ununtersucht und unbekannt
durchs ganze liebe deutsche Land.

Kaum aber sind wir fort vom Haus,
so muß auch schon der Paß heraus;
wir werden niemals sorgenfrei
vor lauter Mauth und Polizei.

O, dass doch einer es erdenkt,
wie man den Luftball sicher lenkt!
Hier hört nicht auf die Heuchelei –
Nur in den Lüften sind wir frei!“

 

Darauf stieß ich vorhin und ich finde, dass es auch heute noch gilt.

Einerseits sind viele Grenzen viel zu offen und anderseits herrscht die totale Überwachung wobei die wenigsten Leute ahnen, wie gläsern wir alle wirklich sind.

Winter, ade! Scheiden tut weh.

Aber dein Scheiden macht,

Daß mir das Herze lacht.

Winter, ade! Scheiden tut weh.

Winter, ade! Scheiden tut weh.

Gerne vergeß’ ich dein,

Kannst immer ferne sein.

Winter, ade! Scheiden tut weh.

Winter, ade! Scheiden tut weh.

Gehst du nicht bald nach Haus,

Lacht dich der Kuckuck aus.

Winter, ade! Scheiden tut weh!

Wie schön, dass frau sich Samstag aufgerafft hat und die Tannenzweige schon mal begonnen hat, zu entfernen.

vielleicht etwas früh für Osterdeko, aber egal, es soll sich ja auch zeitlich lohnen *grins*

wo gibt es denn so was Ende Januar?

Ich mag dieses trostlose Wetter nicht mehr.

Friedrich Rückert
Der Himmel hat eine Träne geweint

Der Himmel hat eine Träne geweint,
Die hat sich ins Meer verlieren gemeint.
Die Muschel kam und schloß sie ein:
Du sollst nun meine Perle sein.
Du sollst nicht vor den Wogen zagen,
Ich will hindurch dich ruhig tragen.
O du mein Schmerz, du meine Lust,
Du Himmelsträn’ in meiner Brust!
Gib, Himmel, daß ich in reinem Gemüte
Den reinsten deiner Tropfen hüte.

trotzdem konnte ich mich heute zu einem Spaziergang aufraffen.

Das Bild entstand aber schon vor einiger Zeit.